30. August 2009 OfflineKommentieren

Diesen Text habe ich schon 2006 geschrieben und gerade in den Untiefen meiner Verzeichnisstruktur wiederentdeckt. Damals fand ich die juristischen Fachworte aus der Recht-Vorlesung so amüsant, dass ich daraus kurzerhand eine kleine, rechtliche Abhandlung schuf.

Maximilian hatte einen schweren Tag hinter sich. Rasant fuhr er die Kurven zu seiner Villa am Elbufer hinab. Die Strecke vom Pförtnerposten bis zur Haustür schaffte er beinahe innerhalb einer juristischen Sekunde, dank seines jüngst aus Insolvenzmasse erstandenen Aston Martin DB9 – einem typischen Anwalts-Understatementwagen.

Den angebrochenen Abend wollte Maximilian zusammen mit seiner Gattin entspannt ausklingen lassen. Er war mal wieder bis 21 Uhr in der Kanzlei und verbrachte die meiste Zeit damit, eine clevere Argumentation zu finden, um die Rechtspfleger von der Richtigkeit seiner Insolvenzverwalterabrechnung zu überzeugen.

Maximilian begrüßte Haushälterin Eleonore wie immer mit einem charmanten Kuss auf ihre Gesamthand. Zu seinem Bedauern konnte er jedoch Ehefrau Babette nirgends erspähen. Immerhin plante er doch für heute Abend die Erfüllung der Fortbestandsklausel im gemeinsamen Ehevertrag zum Aufbau einer künftigen Erbengemeinschaft.

„Nun, dann werde ich wohl einer selbstständigen Betätigung mit Personenidentität nachgehen“, dachte Maximilian bei sich und machte sich auf den Weg ins Obergeschoss. Am anderen Ende der Treppe erblickte er plötzlich Babette. Sie erschrak. Aus dem Schlafzimmer erklang eine fremde Männerstimme. Hatte Maximilian seine Frau beim treuwidrigen Verhalten erwischt? Holte sie womöglich einen fremden Verrichtungsgehilfen in sein Haus, der ihr seine Erbmasse übertrug?! Maximilian schossen die wildesten Gedanken durch den Kopf, doch er durfte sich jetzt nicht von sachfremden Erwägungen leiten lassen. Wie konnte es dieses erbärmliche Steuersubjekt nur wagen, in seinen Machtbereich einzudringen?

Bevor Babette ihre Rechtfertigungsgründe darlegen konnte, machte Maximilian von seinem Lösungsrecht Gebrauch. Er rannte hinauf in das gemeinsame Schlafzimmer, packte den fremden Mann am Schopf und verwies ihn des Hauses. Natürlich nicht ohne den Hinweis, dass er bei Wiederholungsabsicht mit einer unansehnlichen Anwachsung an seiner Körperschaft rechnen müsse.

Maximilian setzte sich in den roten Chefledersessel mit Goldapplikationen und beurteilte seinen derzeitigen Lebenssachverhalt unter einem objektiven Empfängerhorizont. Zweifelsohne war das Innenverhältnis zu Babette zerrüttet. In Gedanken versunken grübelte Maximilian, ob er jemals wieder seine beherrschende Stellung im Hause zurückgewinnen würde, oder ob er seine Frau verlassen sollte. Er könnte die Vorgründungsgesellschaft mit Sekretärin Tanja jederzeit zu einer Tochtergesellschaft ausbauen. Das käme auch seinem Drang nach einem Gründungsakt sehr entgegen.

Maximilian streifte in Gedanken versunken den Armani-Mantel über, trat vor die Haustür und machte ein paar Schritte über die knirschenden Kieselsteine zu seinem Aston Martin. Er stieg ein und fuhr davon – für immer.

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