Ich kaufte gleich zwei. Und ließ mir entgegen sonstiger Einkaufsgewohnheiten auch den Kassenbon über 1,60 ausdrucken. Schließlich galt es jeden Verdacht der Kassiererin sowie der Kunden vor und hinter mir auszuräumen, ich kaufte ein Lifestyle-Frauenmagazin, um tatsächlich darin zu lesen! Meine Instrumente schienen zu wirken. Ich registrierte zwar kritische Blicke auf das Warentransportband und dann zu meiner Person, aber niemand stellte Fragen.
Warum auch? Schließlich findet sich auf keinem der 14 Rabattcoupons in "Laviva" eine Ausschlussklausel, die ein Einlöseverbot durch Männer begründen würde. Laviva das ist die "Billig-Bedrohung aus dem Supermarkt", die, wie Spiegel Online schreibt, "ein schwer zu übertrumpfendes Ass ausspielen kann: Sein Heft für 80 Cent an die Verkaufsstellen zu bringen."
Ich fragte mich zunächst, ob dieses Ass in einem besonders niedrigen oder hohen Verkaufspreis bestünde. Ich kannte die Verkaufspreise anderer Frauentitel bis vor 60 Minuten nicht. Beim Regalblick auf die Laviva umgebenden Zeitschriften gelangte ich jedoch zur Erkenntnis, dass 80 Cent günstig sind. (Laviva lag zumindest in meinem REWE-Laden im Zeitschriftenregal und nicht an der Kasse aus, wie andernorts berichtet)
So richtig freute ich mich allerdings erst, als ich zu Hause neugierig die Coupons unter die Lupe nahm. Beziehungsweise tue ich das just in diesem Moment freue mich also, folgende Zeilen zu schreiben:
1+1-Coupons: 1 Artikel kaufen, den gleichen Artikel (evtl. anderer Sorte) gratis dazu
Es folgen einige Rezepte und ich erfahre endlich den Fachbegriff für die Brötchenart, die der Brötchenmann jeden Morgen auf seinem Wagen durch unsere Abteilung schiebt: Bagels! Das sind Brötchen mit einem Loch in der Mitte, die laut Laviva "im Trend" sind. Unser Brötchenmann isst also im Trend. Ich kaufe ihm morgen ein Bagel ab, um auch im Trend zu essen.
Puh, erst Seite 60, und 40 folgen noch. Ganz schön interessant das Heft. Wie auch das kleine Foto oben auf der Seite 60, auf dem die Laviva-Redaktion (eigentlich eher der "medienfabrik Gütersloh") anlässlich eines Brotaufstrichtests zu sehen ist. Vier Frauen und ein Mann. 3 Grafiker und 2 Redakteure. Oder 1 Stephan, 1 Claudia, 1 Elke, 1 Eva Maria, 1 Wiebke. Eine Wiebke findet sich immer irgendwo. Nun folgt ein ausführlicher Reiseteil über Kapverden. Unterbrochen durch eine Anzeige der FAZ mit beigeklebter Postkarte, die zur Teilnahme an einer Blitzumfrage zum "Trendthema Bio-Lebensmittel" einlädt. Ich vermute, das Auswertungsdiagramm beinhaltet später eher Abozahlen als die Top 3 des Biogemüses.
Das Layout der Zeitschrift wird zwischen Seite 72 und 74 überraschend gestört. Ein Bericht über Berlin ist in hässlicher Arial-Schrift gesetzt. Kann meinetwegen auch Helvetica sein, ist trotzdem nicht schön und überdies irritierend, da auf allen anderen Heftseiten der Fließtext zumindest angenehme Serifen hat.
Die restlichen Heftseiten unterschlage ich. Bis auf das Horoskop am Ende. Bin ja immer neugierig, was sich die Texter so einfallen lassen, nachdem einer mal ersann, nach der Tagesschau würden alle Waagen sterben. Mir wird für den 1. Oktober attestiert, "die Dinge mit mehr Tiefgang und Scharfsinn" betrachten zu können. ...
Ist mir just geglückt, oder nicht? ;-)
Veröffentlicht am: 2008-10-01 19:36:02
Susi kommentierte am 2009-02-09 17:29:32:
Mutig, Mutig kann ich da nur sagen - wie schade für dich, dass bei 2 Zeitschriften du wohl minus gemacht hast ;) Aber mal im Ernst - es gibt genug Männer die öfter mal einen "Blick" über den Tellerrand riskieren und interressante Dinge finden...
Manche Männer sollen dies ja nur tun, um das "weibliche Wesen" zu verstehen - als wenn dies so einfach ginge ;))