6. Mai 2008 Online6 Kommentare

Eine echte Tragikomödie findet sich aktuell bei zweinull.cc, die sich mit den fehlgeschlagenen Anfängen eines Web-Startups befasst. Das unerfahrene Vorgehen des Gründerteams, ihr künftiges Produkt mittels Blog-PR bekanntzumachen, schlug – für die Gründer unerwartet – hohe Wellen. Und diese Wellen bleiben vermutlich noch lange in den Google- und Yasni-Top10 gelistet, wenn man nach den Teammitgliedern sucht.

Das wirft natürlich die Frage auf, inwieweit sich eine fehlgeschlagene Internetgründung auf die weitere Karriere auswirkt. Wer sich unmittelbar nach dem Studium mit einem Startup selbstständig macht, oder gar das Studium für die Selbstständigkeit abbricht, lebt finanziell auf noch kleineren Füßen als die meisten seiner Kommilitonen. Denn Gründungen erfordern Geld, jede Menge Zeit und Know-How. Fehlt nur eine dieser Komponenten, muss sie teuer eingekauft werden: Dann kommen Risikokapitalgeber ins Spiel, externe Programmierer und bestenfalls auch PR-Berater. Das ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Startups wie das bei zweinull.cc verrissene MyFirstIdentity.com versuchen ausschließlich mit Bordmitteln, also Kompetenzen der Teammitglieder, eine tolle Community zu basteln. Das Risiko zu scheitern, weil eine wichtige Komponente nicht funktioniert (Design, Technik, PR, …) ist dann besonders groß und wirkt sich sofort auf das gesamte Image der Community aus (siehe Kommentare bei zweinull.cc). Doch damit nicht genug. Die merkwürdige Pressemitteilung dürfte auch den Gründern persönlich schaden, zumal sie in den Kommentaren Selbstbelobigungen und -rechtfertigungen unter Pseudonymen posteten. [Natürlich bestreiten die Gründer dies wiederum in den Kommentaren, was sie nur noch tiefer in den PR-Sumpf zieht.]

Wer mit einem Startup scheitert, dürfte es anschließend im Berufsleben besonders schwer haben. Mangels Geld für eine Neugründung und wohl auch gewisser Angst vor erneutem Scheitern streben viele Gründerkinder ein sicheres Angestelltenverhältnis an. Informatiker dürften dank momentaner Programmierer-Flaute schnell einen Job finden, doch Wirtschaftswissenschaftler stehen schlecht da. Haben sie ihr Studium für die Gründung aufgegeben, fehlt ihnen jeglicher Abschluss. Doch selbst mit Bachelor, Master oder Diplom in der Tasche ist gescheiterten Gründern kein neuer Job sicher, denn ihnen gingen durch die Selbstständigkeit wertvolle Jahre (im besten Falle nur Monate) verloren, die Gleichaltrige in Unternehmen verbrachten. Während sich die Gründer mit allerhand täglichem Kleinkram beschäftigten und die Fäden ihres eigenen Unternehmens in den Händen hielten, bekamen ihre festangestellten Altersgenossen zwar keinen solch umfassenden Einblick in ein Unternehmen, dafür aber tiefere Kenntnisse in einem Spezialgebiet (z.B. Projektmanagement). Man kann sich leicht ausmalen, wen potenzielle Arbeitgeber bei der Neubesetzung einer Stelle bevorzugen: Den Allrounder eines Ex-Startups, der noch nie die Strukturen eines größeren Unternehmens kennen gelernt hat, oder den Spezialisten mit einigen Jahren Berufserfahrung in dem gesuchten Einsatzgebiet.

[Wohlgemerkt beziehen sich die obigen Ausführungen nur auf gescheiterte Startups. Gründer erfolgreicher Startups finden sicher leicht einen neuen Job – allerdings haben sie das bei florierendem Geschäft ja gar nicht nötig.]

6 Kommentare auf “Gescheiterte Startups: Verbrannte Gründerkinder?”

    Martin
    Mai 6th, 2008 at 16:10

    Sehr gute Analyse!

    LordDolus
    Mai 7th, 2008 at 08:59

    Hallo Steffen, schön das auch du über uns berichtest und schön das du in die Zukunft schauen kannst. Ich weis nicht wie du darauf kommst diese News zu verfassen. MyFirstIdentity.com ist auf keinen Fall ein gescheitertes Startup. Dank der Presse in zweinull.cc (Vielen Dank Martin) haben wir unsere Anmelde Zahlen verdreifacht und auch die Besucherzahlen sind immer weiter am steigen.
    Ich möchte doch bitten das so Unterstellungen wie
    “ZITAT: Doch damit nicht genug. Die merkwürdige Pressemitteilung dürfte auch den Gründern persönlich schaden, zumal sie in den Kommentaren Selbstbelobigungen und -rechtfertigungen unter Pseudonymen posteten. [Natürlich bestreiten die Gründer dies wiederum in den Kommentaren, was sie nur noch tiefer in den PR-Sumpf zieht.” absolut aus der Luft gegriffen sind.
    Ich bitte darum, dass du dich das nächste mal deine Infos nicht nur auf das geschriebene in einem Blog sonder auf aussagen der Gründer beziehst.
    Nur weil ein Blog uns negativ PR gegeben hat soll nun schluss sein also bitte so groß ist die Macht dies Blogs nicht.

    Steffen Persiel
    Mai 7th, 2008 at 09:50

    LordDolus, ich attestiere eurer Community an dieser Stelle ja nicht den Tod. Der Beitrag bezieht sich allgemein auf gescheiterte Startups – MyFirstIdentity wird hoffentlich nie dazugehören :-)

    LordDolus
    Mai 7th, 2008 at 10:01

    Das hast du net gesagt.

    Matze
    Mai 13th, 2008 at 14:00

    Lieber “LordDolus”,

    wenn ich euch nur EINEN Tipp geben würde, dann würde ich sagen: “Einfach mal die Klappe halten”. Und das meine ich in bestem Sinne und nicht als Beleidigung. Das wäre vermutlich auch das erste, was ein PR-Berater zu euch sagen würde. Jeden Satz, jeden Kommentar, jede Anmerkung zu beantworten, zu widersprechen oder sonstiges ist einfach ein No-No-No-No-No-Go. Das schürt nur weitere Diskussionen und im Nullkommanix ist man in Endlosrechtfertigungen etc. verstrickt. Auch solltet ihr euch überlegen, EINEN PR-Verantwortlichen auszuwählen, der auch dann die einzige Anlaufstelle ist, wenn WIRKLICH mal was zu sagen ist. Und der sollte im besten Fall die deutsche Sprache in jeder Hinsicht beherrschen.

    Lieber Steffen,
    dein Artikel beginnt sehr nett, hinkt aber am Ende. Wenn ich als Personeller 2 Bewerber habe, einer frisch von der Uni mit einem super Abschluss und einer der während seinem Studium schon zwei Unternehmen “in den Sand” gesetzt hat…vermutlich würde ich zu Letzterem tendieren. Warum? Er sieht Gefahren kommen, er weiß was am Markt los ist, er hat Staub gefressen. Natürlich lässt sich das nicht verallgemeinern und auf Grund einer halbherzigen Idee mit ebensolcher Umsetzung sein Studium zu schmeißen ist vielleicht nicht gerade ein Pluspunkt. Dennoch würde ich es nicht so pauschalisieren wie du es getan hast.
    In Ländern wie USA werden gescheiterte Gründer aus oben genannten Gründen mit offenen Armen empfangen und nicht in den Dreck gezogen.

    Just my 2 Cents ;)

    Viele Grüße
    - Matze

    Frank
    September 5th, 2008 at 13:04

    Nachdem im Vorfeld ziemlich viel Wind um den Launch des neuen Web 2.0 Portals http://www.myfirstidentity.com durch die beteiligten Gründer in diversen Blogs und anderen Medien gemacht wurde fällt der Start eher bescheiden aus. Das Portal kann aus meiner Sicht nicht durch Innovationen und ausgereifte Usability überzeugen. Anfangs ging man teilweise noch davon aus, dass die eher schwachen Pressemitteilungen (siehe netzwertig.com) bewußt lanciert wurden um die Aufmerksamkeit auf das Portal zu lenken, aber mittlerweile sieht es es nach schlechtem Benehmen aus. Nachdem auf netzwertig.com eine heftige Diskussion zu dem Thema entbrannt ist wurde nun anscheinend ein Streit mit dem Nachrichtenportal Osthessen-News.de forciert. Siehe hierzu http://blog.myfirstidentity.com/ und auch http://osthessen-news.de/beitrag_A.php?id=1154614 . Osthessen-News.de hatte über die Unstimmigkeiten bei der Angaben der User / Mitgliederzahlen berichtet.

    Das Team um myfirstidentity behauptet, dass Sie bis gestern 965 registrierte User vorweisen können.
    Wenn man sich dazu folgende Screenshots anschaut, kann man an dieser Zahl berechtigt zweifeln.
    Gestern um 15:00h lag die höchste UserID bei 383. ID 384 usw. war nicht vergeben. Dies läßt nur den Schluss zu, dass die Zahlen bewußt manipuliert wurden.

    http://www.bilder-space.de/show.php?file=Um8Ho9TS8M3CiWB.png

    Auch die Ausgabe der Online User / Online Mitglieder scheint nicht korrekt ermittelt zu werden.
    Im Header der Seite werden 30 Mitglieder als Online ausgewiesen und im mittleren Bereich (aktuelle Mitglieder online) werden nur 2 User ausgegeben.

    http://www.bilder-space.de/show.php?file=6wd5dD8akStzbPT.png

    Da sind wir alle doch auf die Anworten der myfirstidentity – Gründer gespannt.

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