So locken Unternehmen die besten Studenten an
Als die Verlagsgesellschaft Madsack Anfang der 70er Jahre ein neues Druck- und Verlagshaus errichtete, waren qualifizierte Mitarbeiter in allen Bereichen rar. Im Kampf um die besten Bewerber ließen sich Unternehmen immer größere Anreize einfallen. Die Zeitungsmacher aus Hannover planten im Erdgeschoss ihres Verlagshauses sogar ein Schwimmbad zur Erholung der Angestellten. Da sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt jedoch bald besserte, wurde das Schwimmbad nie in Betrieb genommen, erinnert sich heute Gerald Mohr, Chef vom Dienst bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Drei Jahrzehnte später findet sich die Idee eines Mitarbeiterschwimmbades in Hamburg wieder. Die Hochhäuser und Bürogebäude im dortigen Überseering versprühen zwar eher den Charme der 80er Jahre, doch der äußere Eindruck täuscht. So hat die Tchibo GmbH, eines der größten Konsumgüter- und Einzelhandelsunternehmen Deutschlands, in der Konzernzentrale ein großzügiges Freizeitzentrum untergebracht. Dort können die Mitarbeiter an Fitnessgeräten trainieren, Squash und Billard spielen – oder auch schwimmen. Mit einem Angebot von mehr als 40 Kursen wird das hauseigene Schwimmbad bereits seit 1977 rege genutzt. Im vergangenen Dezember lud Tchibo sogar 35 Studenten zu einem zweitägigen Workshop inklusive Beachparty ein. Während des Workshops lösten die Studenten in Teams praxisnahe Fallstudien und empfahlen sich damit Tchibo als potenzielle Trainees. Gleichzeitig nutzte Tchibo die Gelegenheit, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.
Dazu trägt sicherlich auch das gute Arbeitsklima bei, welches Tchibo nicht nur durch das hauseigene Freizeitzentrum fördert, sondern beispielsweise auch mit regelmäßigen Schulungen, vergünstigten Nahverkehrstickets oder einem Mitarbeiter-Restaurant. Für dieses Engagement wurde Tchibo bereits mehrfach als attraktiver Arbeitgeber ausgezeichnet und sichert sich damit eine Spitzenposition im „War for talents” – dem Kampf der Arbeitgeber um die besten Mitarbeiter.
Die demographische Entwicklung trägt dazu bei, dass auch die Ressource der Studenten als künftiger Führungsnachwuchs immer knapper wird. Ab dem Jahr 2013, so eine Hochrechnung der Kultusministerkonferenz, wird die Zahl der Studienanfänger kontinuierlich sinken. Erst wenige Unternehmen haben diesen Trend erkannt, ergreifen dafür aber umso intensiver Gegenmaßnahmen, um auf den Listen der beliebtesten Arbeitgeber ganz vorn zu landen. Vor wenigen Jahren schwappte daher auch der Begriff des „Employer Branding” aus den USA zu uns nach Deutschland. Um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen müssen Unternehmen eine zugkräftige Arbeitgebermarke aufbauen, lautet das Credo. Im Vorteil sind dabei alle jene Unternehmen, die schon auf den Absatzmärkten eine starke Marke etabliert haben. So müssen sich Autohersteller wie Porsche, BMW und Mercedes über Bewerbermangel wohl auch in Zukunft keine Sorgen machen.
Doch weniger bekannte Arbeitgeber holen auf und adaptieren ausgeklügelte Strategien aus dem klassischen Marketing für das Mitarbeiter-Recruiting. Dazu gehören Personalimageanzeigen mit einer emotionalen Bildsprache genauso wie Internet-Banner von Vodafone, virtuelle Betriebsrundgänge durch den Verlag Gruner & Jahr oder das komplett elektronische Bewerbungsverfahren, wie es beispielsweise Siemens einsetzt. Die Modekette Peek & Cloppenburg veranstaltet sogar regelmäßig eine Partylounge am Rheinufer, um seine Bewerber vom Unternehmen zu begeistern.
Ein Sprichwort sagt: „Der erste Eindruck zählt.” Doch spätestens im Vorstellungsgespräch werden angelockte Bewerber selbst feststellen, ob ein Unternehmen seine Versprechen auch hält. So kann sich ein nach außen hin modernes Unternehmen plötzlich als Arbeitgeber mit antiquierten hierarchischen Strukturen entpuppen – oder sei es auch nur die antiquierte Büroausstattung, die abschreckt.
In Zukunft versüßen bestimmt noch mehr Schwimmbäder und Freizeitzentren den begehrten Studenten die Arbeitgeberwahl. Doch letztendlich wird immer der persönliche Eindruck entscheiden, ob Bewerber und Unternehmen zusammenpassen.
Moin Moin, hier geiht dat bontjebunt dör Kruut un Kratt vun't Internet över Reklaam bet hen to de niegste Kram. Kurzum: Medien, Marketing, Trends und Innovationen.